Nextbike für Berlin retten - Deutschlandticket sichern!
Unsere Petition und Öffentlichkeitskampagne für den Erhalt eines öffentlich geförderten Leihradsystems.

Letzten Donnerstag haben wir als Nachhaltigkeitsbüro der HU Berlin unsere WeAct Petition öffentlichkeitswirksam an das Abgeordnetenhaus übergeben.
Begleitet wurde die Übergabe von einer Demonstration vor dem Abgeordnetenhaus Berlin. Unter dem Motto „Radsharing retten – soziale Mobilität braucht öffentliche Verantwortung“ haben wir zusammen mit Studierenden, Initiativen und Unterstützer:innen mit Leihrädern, Bannern und klaren Botschaften gezeigt, wie wichtig Nextbike und ein funktionierendes Bikesharing Angebot für Berlin ist. Insbesondere für Studierende und Menschen aus den Randbezirken.
Nextbike gehört für viele zum Alltag. Zusammen mit dem Deutschlandticket ermöglicht Radsharing flexible und bezahlbare Wege zur Uni, zur Arbeit oder zur Ausbildung. Dass dieses Angebot trotz hoher Nutzung und breiter Akzeptanz einfach gestrichen wurde, nehmen wir nicht hin.
Die Haushaltskürzungen des Senats setzen falsche Prioritäten. Während für Zäune um Parks genug Geld dazusein scheint, wird ein gut funktionierendes Leihradsystem zusammengestrichen. Diese Entscheidung macht Berlin zum Schlusslicht in ganz Europa und ist ein Armutszeugnis für den schwarz-roten Senat.
Unsere Position ist klar. Öffentliche Mobilität ist Daseinsvorsorge. Radsharing ist kein Luxus, und Teil der Mobilitätswende.
Unsere Petition läuft weiter. Wir bleiben weiterhin im Austausch und halten den Druck aufrecht.
Danke für über 8.000 Unterschriften! Nun heißt es dranbleiben:
VCD Landesverband Nordost e.V.; IPU Green Office;Fridays for Future Berlin Startseite - Fridays for Future Berlin; FSI Biologie; STURA Wirtschaftswissenschaften, ADFC Berlin, Changing Cities e.V., BUNDjugend Berlin, trashformers ASH, Klimaneustart Berlin, RefRat HU, AStA FU

#MehrPlanFürsRad
Unsere Stellungnahme:
"Stell dir vor es ist Vorlesung und niemand kommt hin!"

Über mehrere Semester konnten Studierende der Berliner Hochschulen[1] dank des günstigen Deutschlandsemestertickets den ÖPNV nutzen, um zur Uni zu fahren ohne sich in finanzielle Unkosten zu stürzen. Dieses Angebot wurde durch eine Kooperation mit den Stadtfahrrädern von nextbike ergänzt, die es Studierenden ermöglichte ohne zusätzliche Kosten ein Stadtfahrrad zu leihen. Die Kombination mit dem Deutschlandticket ermöglichte eine günstige, nachhaltige und praktische Mobilität für den täglichen Weg in die Hochschule.
Mit der flächendeckenden Einführung des Deutschlandtickets wurde das langjährige Solidaritätsmodell des Semestertickets ersetzt. Damit entfiel jedoch ein zentraler Bestandteil des bisherigen Angebots: die kostenlose Fahrradmitnahme im ÖPNV. Für viele Studierende, die auf eine flexible Kombination aus ÖPNV und Fahrrad angewiesen sind, stellte dies eine spürbare Einschränkung dar. Der Wegfall des Angebots trifft vor allem die Randbezirke hart, da ein wichtiger Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr fehlt. Viele Studierende wohnen aufgrund hoher Mieten in den Randbezirken und sind besonders auf günstige und zuverlässige Mobilitätslösungen angewiesen.
Auf diese Veränderung reagierten die Studierendenvertretungen (AStA) schnell und lösungsorientiert durch die Kooperation mit dem Fahrraddienstleister nextbike und schafften so ein alternatives Mobilitätsangebot. Das neue Angebot überzeugte: Die Kombination aus ÖPNV und Leihrad bot nicht nur mehr Unabhängigkeit im Stadtverkehr, sondern trug auch zur Förderung nachhaltiger Mobilitätsformen bei. Ein wichtiger Schritt in Richtung einer zukunftsfähigen, sozial gerechten und umweltfreundlichen Hochschulinfrastruktur. Nutzungsdaten der ersten zwei Monate zeigen: Das Angebot hat einen Nerv getroffen. In zwei Monaten wurden alleine an der Humboldt-Universität zu Berlin ca. 90.000 Fahrten getätigt.[2] In ganz Berlin waren es laut eigenen Angaben von nextbike im ersten Quartal über 1,25 Mio. Fahrten.[3]
Die Finanzierung des Deutschlandtickets ist ungewiss, die für nextbike komplett gestrichen! Der Berliner Senat spart mit dieser Maßnahme lediglich 1,5 Mio. € pro Jahr und somit weniger als für den Bau des absurden Zauns um den Görlitzer Park veranschlagt wird.[4]
Uns macht das fassungslos und wütend. Mit einem vergleichsweise kleinen Budget wurde der Alltag vieler Berliner*innen durch die nextbike Kooperation stark vereinfacht. In Zeiten von steigenden Lebenserhaltungskosten und der spürbar verschärften Klimakrise bot diese Kooperation nicht nur ein starkes Mobilitätsangebot, sondern war auch ein wichtiger Baustein in der Verkehrswende zur klimaneutralen Mobilität.
Wir fordern das Land Berlin auf, weiterhin mindestens 1,5 Mio. € pro Jahr für die Förderung von Leihfahrrädern bereitzustellen. Wir schließen uns der Forderung nach einer „konsequente[n] Fahrrad-Sharing-Strategie“ des Fahrgastverbands IGEB e.V., ADFC Berlin und des Verkehrsclubs Deutschland Nordost (VCD) an.[5]
Um auch in Zukunft bezahlbare und nachhaltige Mobilität für die Berliner*innen und Studierenden zu gewährleisten, fordern wir das Land Berlin auf sich für den Erhalt eines sozialverträglichen Deutschlandtickets von Studierende und alle Berliner*innen einzusetzen.
Die studentische Initiative für ein Nachhaltigkeitsbüro der Humboldt-Universität zu Berlin.
[1] Freie Universität Berlin (FU), Technische Universität Berlin (TU), Berliner Hochschule für Technik (BHT), Steinbeis-Hochschule Berlin (Steinbeis), Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH), Universität der Künste Berlin (UDK), Medical School Berlin (MSB), SRH Berlin University of Applied Sciences (SRH), Weißensee Kunsthochschule Berlin (KH Berlin), European School of Management and Technology Berlin (ESMT), Hochschule für Musik Berlin (HFM), Berlin International University of Applied Sciences (Berlin International), Hochschule für angewandte Pädagogik (HSAP), Bard College Berlin (Bard), FernUniversität Hagen
[2] E-Mail des Refrat (Juli 2024) zur Nutzung des Nextbike Angebots an der HU
[3] https://taz.de/Fahrradleihsystem-Nextbike/!6082050/
[4] https://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/friedrichshain-kreuzberg/sicherheitszentrale-gastro-zaun-und-mehr-so-soll-der-gorlitzer-park-zum-park-mit-regeln-werden-13743046.html
[5] https://taz.de/Foerder-Aus-fuer-Nextbike-in-Berlin/!6094391/
